Spektakuläre Aktion: Der Gipskarst soll leben!

                                                                                                          Fotos: Stephan Röhl; Robin Wood

 

Gips-Abbau im Südharz stoppen!

Prost! Besuch von Umweltschützer*innen von ROBIN WOOD und den NATURFREUNDEN bekam der Gipsabbau-Konzern Casea – ein Zusammenschluss der Südharzer Gipswerke – in Ellrich (Landkreis Nordhausen/Thüringen) jüngst anlässlich seiner 150-Jahr-Feier.

Die Öko-Aktivisten protestierten gegen die Naturzerstörung der ökologisch wertvollen Südharzer Karstlandschaft durch Gips-Abbau und hissten Banner an drei Fahnenmasten in der Einfahrt des Konzerns.

Recycling statt Raubbau

Die Banner griffen das Konzern-Motto „Im Namen der Zukunft“ auf und ergänzten es durch die Slogans „Recycling statt Raubbau!“ und „150 Jahre Artensterben sind genug!“.

Die Aktivist*innen fordern von Casea, weitere Abbaumaßnahmen zu stoppen und auf Gips-Recycling sowie auf die Produktion von Ersatzstoffen für Naturgips umzusteigen.

Der Hintergrund: Die Südharzer Gipskarstlandschaft zieht sich von Sachsen-Anhalt über Thüringen bis Niedersachsen im Landkreis Göttingen und ist ein einzigartiger Hotspot der Artenvielfalt. Dank seiner vielen Risse, Spalten und Höhlen, seiner mineralischen Eigenschaften und seines Mikro-Klimas beherbergt der Gipskarst eine Vielzahl bedrohter Tier- und Pflanzenarten.

Bedrohte Arten

Zahlreiche Fledermausarten, 400 Schmetterlings- und andere Insektenarten leben dort auf Halbtrocken-Rasen und in seltenen Orchideen-Buchenwäldern. Sogar Relikt-Arten aus der Eiszeit, wie das Südharz-Brillenschötchen und die Alpen-Gänsekresse, haben dort bis heute überlebt.

An den zahlreichen Tagebauen der Gips-Industrie wird der Kontrast offenbar: Wo früher großer Artenreichtum herrschte, machen sich jetzt mondähnliche, öde Gruben breit. Lärm und Staub von Sprengungen und schweren LKWs belasten Anwohnerschaft, Tourismus und Natur.

„Was einmal für den Gipsabbau abgebaggert wurde, ist nicht renaturierbar! Das Artensterben ist genau so tödlich wie der Klimawandel! Wann kommt dieses Wissen in den Konzernen an?“, fragt ROBIN WOOD-Waldreferentin Jana Ballenthien.

Ursula Schäfer von den NaturFreunden Göttingen ergänzt: „Caseas Mutterkonzern, Remondis, ist ein großer internationaler Recycling-Dienstleister. Wir fordern Casea auf, das Wissen der Mutterfirma endlich einzusetzen, um Gips umwelt- und naturfreundlich zu produzieren – zum Erhalt dieser einmaligen Landschaft.“

Erster Erfolg

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat jetzt Abbau-Gegner wie NaturFreunde, BUND, NABU und Heimatbund sowie die Gips-Industrie zum "Runden Tisch" nach Erfurt eingeladen. Wir sind gespannt!