Das NaturFreunde-Haus in Göttingen

Das dreistöckige Naturfreundehaus Auf dem Hagen am Naturfreundeweg 1 ist das erste Niedrigenergiehaus Göttingens", erklärt Regina Nebel, Vorsitzende der Göttinger NaturFreunde. Für „vorbildhaftes Sanieren und Bauen“ bekommt die Ortsgruppe im August 2018 von der Stadt Göttingen feierlich die „Grüne Hausnummer“ verliehen.

„Die thermische Hülle eines Niedrigenergiehauses wird so gebaut, dass möglichst keine Wärme verloren geht. Gleichzeitig kann Energie für Heizung und Warmwasser aus hauseigenen Solar- und Photovoltaik-Anlagen gewonnen werden“, weiß der Niedrigenergie-Ratgeber des „Wohn-Journals“. Genau so haben die NaturFreunde Göttingen zwischen 1995 und 1998 gebaut, „das meiste in Eigenleistung“, merkt Regina Nebel an. Lachend streckt sie die Arme aus: „4000 Dachziegel sind durch diese Hände gegangen“,  als Teil einer Menschenkette aus Freiwilligen. Nicht alles nur NaturFreunde: Damals half auch die „Kompanie des guten Willens“, ausgebildete Handwerker im Ruhestand, die etwas Sinnvolles tun wollten. Die mauerten die Halbmeter dicken Außenwände aus isolierendem, Lufthaltigen Poroton-Stein und isolierten das Dach mit Steinwolle.

Unter dem Fundament birgt das Haus eine Zisterne, die Regenwasser in zwei 5000-Liter-Tanks für die Toiletten-Spülungen speichert. Im Haus saugt eine Lüftungsanlage mit Wärme-Rückgewinnung frische Luft an und bläst die verbrauchte raus. Im Winter können die Fenster also zu bleiben. Eine thermische Solaranlage sorgt für warmes Wasser für Dusche, Waschmaschine und Geschirrspüler. Strom produziert seit 2004 eine nachgerüstete Photovoltaik-Anlage auf dem Dach.

Nicht reden – machen!
„Unsere doppelt verglasten Iso-Fenster mit Plastikrahmen waren damals das Modernste, was es gab“, weiß Helmut Nebel. Auf Holzrahmen wurde bewusst verzichtet: „Die werden nach zehn Jahren undicht, weil Holz arbeitet.“ Und die Innenwände bestehen aus umweltfreundlichem REA-Gips. „Der ist ein Abfallprodukt der Rauchgas-Entschweflungsanlagen (REA) bei der Müllverbrennung und schont unsere ökologisch einzigartigen Gipskarst-Landschaften, wo die Industrie bis heute Naturgips abbaut und alles verwüstet“, erklärt Helmut Nebel. Damals mussten sie im Baumarkt erst darauf hinweisen, dass es diese umweltfreundliche Alternative zum herkömmlichen Rigips gibt.

Am meisten freut Regina Nebel ein Kompliment von Dinah Epperlein, Chefin der Stabsstelle „Klimaschutz und Energie“ der Stadt Göttingen. „Sie sagte mal zu mir: ‚Alle haben damals von Niedrigenergiehäusern geredet, und ihr habt´s einfach gebaut!‘“

Hansjörg Heinrich
NaturFreunde Göttingen